Was lange währt, wird endlich gut!

Mittwoch, 1. Mai 2019

Während der Studienzeit hat mir die besorgte Mutter, wenn ihr „Bub“ wieder mal in den Sommerferien zu einer Reise in ein exotisches Land aufgebrochen ist, immer eine Flasche Schnaps mitgegeben und mir das Versprechen abgenommen, dass ich auch jeden Abend einen Schluck davon trinken müsse. Ich hab mich brav daran gehalten und bin mir sicher, dass mich diese „Medizin“ vor der einen oder anderen Krankheit bewahrt hat.

Mein Problem dabei war nur: Mir schmeckt das Zeug nicht.

Dazu kommt, dass der Schnaps nicht irgendeiner war, sondern ein von meinem Vater selbst gebrannter. Er hat sich dabei rdlich bemüht und durchaus Anerkennung bekommen, wenn er sein Destillat kredenzt hat, mich hat es aber ganz einfach jedes Mal geschüttelt, wenn das scharfe Zeug die Speiseröhre hinunter gebrannt hat.

 Jetzt, bei der Vorbereitung auf die Reise sind mir der Schnaps und seine pharmazeutische Wirkung wieder eingefallen und siehe da, in meinem Regal mit den Spirituosen stand eine ganze Flasche vom Selbstgebrannten. Ich hab sie eingepackt und mich hat der Gedanke berührt, dass mein Vater mich damit posthum vielleicht vor irgendwelchen Krankheiten schützen kann oder will. Und das beste daran: Der Schnaps ist jetzt vielleicht 15 Jahre alt und hat sich in der langen Zeit zu einem unheimlich feinen, fruchtigen, sich auf der Zunge fast ein bisschen ölig anfühlenden Obstler entwickelt, den ich allabendlich mit großer Freude trinke.