Strom gibt´s heute zwar nicht, aber es kommt Wasser aus der Steckdose

Freitag, 31. Mai 2019

Heute in der Früh bin ich mit einem zufriedenen Lächeln in meiner Küche, die gleichzeitig mein Badezimmer ist, gestanden. Seit ich Anfang Mai in die Wohnung gezogen bin, habe ich zum ersten Mal fließendes Wasser und Strom gleichzeitig gehabt. Ich konnte mich also- zwar mit wenig Wasser- aber dennoch warm duschen und das ist hier mehr als ein kleiner Luxus.

Ich wohne ja privilegiert, zahle wahrscheinlich 5x soviel für die Wohnung, als ein Äthiopier dafür zahlen würde, dafür habe ich aber eben so was wie fließendes Wasser und Strom (zumindest theoretisch)! Dass das WC nur über den Hof erreichbar ist und mit 3 anderen Wohnungen geteilt werden muss, ist ein Detail am Rande.

Zahlen habe ich keine, nehme aber an, dass die meisten Bewohner von Addis keinen Wasseranschluss in ihren Wohnungen haben. Strom haben wohl die meisten, auch wenn er fast täglich ausfällt und seit ein paar Wochen auch neben den häufigen Ausfällen nur für ein paar Stunden täglich verfügbar ist.

Eine Eigenschaft der Äthiopier, die ich aber auch schon aus der Mongolei kenne ist die, dass die Probleme nicht an der Wurzel angepackt werden. Wenn also die Decke Flecken hat, weil Wasser durchs Dach eindringt (und das ist in jedem äthiopischen Haus der Fall), wird nicht das Dach repariert, sondern die Decke neu gestrichen.

Jedenfalls dachte ich, ich zeige euch mal ein paar Fotos von meiner privilegierten Wohnung und eines von der „Wohnung“ unseres Wächters (einen Wächter haben hier die meisten „vornehmeren“ Häuser). Die spiegelt wohl eher die Wohnsituation vieler Menschen hier wieder. Seine Wellblechbox ist lange genug, dass er oben hineinkriechen und schlafen kann, darunter ist eine Klappe, in die er seine Habseligkeiten reinschiebt, Schuhe werden vor oder unter der Wohnung abgestellt. Und zu seinem Arbeitsplatz, dem Tor hat er es nicht weit, seine Aufgabe ist es, wenn jemand anklopft, aufzumachen und eben nicht jeden rein zu lassen.

Nächste Woche werde ich wahrscheinlich wieder umziehen, diesmal in ein wirklich feudales Haus. Eine Lehrerin, die das grad Haus gemietet hat und deren Familie erst im Sommer aus Deutschland nachkommt, will dort aus Sicherheitsgründen nicht alleine wohnen und hat mich gebeten, in eines der 3 Geschoße einzuziehen. Ich werde also wohl auch so was wie ein „Wächter“ werden, auch wenn sich die Wohnsituation von der meines jetzigen Gards doch sehr unterscheiden wird.