sheet metal roof

Montag, 13. Mai 2019

Wenn man hier auf einem Inlandsflug mit der Propellermaschine unterwegs ist, fliegt man ja nicht so hoch und beim Blick aus dem Fenster stechen die silbern glänzenden Blechdächer der Hütten ins Auge. Bei genauerem Hinsehen ist mir aufgefallen, dass diese Dächer nur entlang der Straßen zu finden sind, je weiter die Hütten von einer Straße entfernt sind, desto seltener werden die Blechdächer. Dort wo kein Auto hinkommt, kein Esel die Last tragen und kein Bauer das Blech zahlen kann, gibt es nur die klassischen strohgedeckten Tukuls.

Das Blechdach scheint also ein Indikator einerseits für die Erreichbarkeit einer Siedlung, andererseits für den Wohlstand der Bewohner zu sein. Man fliegt also staunend über Siedlungen, wo kein Weg hinführt und wo man höchstens ein Netz aus Fußwegen zwischen den einzelnen Ortschaften ausmachen kann. Dort wohnen also Menschen, die einzig von dem leben, was die karge Erde hergibt, die sie in fußläufiger Distanz erreichen und bearbeiten können, da kommt nichts von außen, weil es gar keine Verbindung gibt, weder Straßen, noch Strom, noch Wasser, von Krankenversorgung, Schulen etc. ganz abgesehen. Und wenn man, so wie ich am Wochenende, nur 1 1/2 Stunden Fußweg außerhalb von Lalibela dann in so einem aus Lehm und Kuhmist gebauten, halb verfallenen Tukul sitzt, bekommt man größten Respekt davor, wie Menschen unter solch widrigen Umständen zu überleben wissen und fühlt sich beschämt, wenn man seinen Rucksack voller technischem Schnickschnack sieht, den man grad als unverzichtbares Tagesgepäck bei sich hat.

 Übrigens: Die Hälfte der äthiopischen Bevölkerung, so habe ich gelesen, lebt mehr als einen Tagesmarsch von der nächsten Straße entfernt.