Endlich Fleisch

Samstag, 27. April 2019

Man muss wissen, dass die Äthiopier ihr orthodoxes Osterfest eine Woche nach uns feiern. Eine durchaus positive Auswirkung auf mich ist die, dass die deutsche Schule natürlich die deutschen Feiertage einhält und also letzte Woche Karfreitag und Ostermontag frei waren, dieses Wochenende wieder, weil ja jetzt äthiopische Ostern sind.

Die Äthiopier sind wirklich sehr religiöse Menschen, Gottesdienste aller möglichen Religionen werden via Lautsprecher auf die Straßen übertragen und an Feiertagen wie Karfreitag geht es da ganz schön rund. Und weil sie eben so gläubig sind, essen sie in der Fastenzeit kein Fleisch und das hat insofern Auswirkungen auf mich, als mir die, die schon länger hier wohnen, empfohlen haben, bis Ostern auch auf Fleisch zu verzichten, weil das Fleisch, das angeboten wird, oft lange herumliegt. Ich hab mich eigentlich nicht daran gehalten und hab es bisher nicht bereut, gebe aber zu, dass ich zwar nicht in den Touristenrestaurants esse, aber auch nicht in den wildesten äthiopischen Spelunken.

Am Gründonnerstag ist mir dann aufgefallen, wie auf Plätzen in der Stadt Herden von Ziegen ausgeladen werden, um, wie mir gesagt wurde, zu Ostern geschlachtet und beim großen Oster- Festmahl verspeist zu werden. Wer sich keine Ziege leisten kann, kauft sich ein Huhn. So werden die Ziegen nach Hause getrieben, die Hühner lebend nach Hause getragen, einmal auf dem Arm wie ein Baby, öfter jedoch an den Beinen gehalten mit dem Kopf nach unten lässig geschwenkt wie eine Damenhandtasche. Und wie ich so dem Treiben auf der Straße zuschaue, tuckert eines der unzähligen uralten Lada- Taxis an mir vorbei, auf dem Dach ein Gepäckträger und darauf unbefestigt und unverpackt eine Ziege im Ganzen, nein ganz war sie nicht, das Fell war schon abgezogen.