Die Religionen und die Nachtruhe

Freitag, 19. April 2019

Man kennt das ja aus islamischen Ländern:

In aller Herrgottsfrüh dröhnt aus schlechten Lautsprechern, dafür mit ohrenbetäubendem Lärm das Morgengebet des Muezzins und weckt nicht nur die Moslems, sondern auch uns arme Ungläubige aus dem wohlverdienten Schlaf. Nicht anders auch hier, nur schien mir der Gesang hier wesentlich länger zu dauern. Ich habe also nach meiner ersten Nacht in Addis auf die Frage, wie ich denn geschlafen habe, geantwortet, dass die Moslems ihre Morgengebete für meine Verhältnisse ein bisschen zu ernst nehmen. Ach, wurde mir gesagt, die Moslems gingen ja noch, schlimmer seien die orthodoxen Christen. Das was ich gehört habe, seinen wohl sie gewesen, die Moslems beten nur kurz, die christlichen Gesänge hingegen dauerten stundenlang...

Untermalt wurde und wird das Ganze vom nächtlichen Gebell der unzähligen Straßenköter, aber auch dafür gibt es eine Erklärung. Die bellen nur dann, wenn durch das nahe Flusstal Kojoten in die Stadt eindringen und den Hunden lästig oder gefährlich werden. Und genauso wie sich hier die verschiedenen Religionen mit großer Toleranz begegnen, habe auch ich eingesehen, den nächtlichen Lärm wohl am besten einfach gelassen hinzunehmen mit dem Ergebnis, dass ich schon nach wenigen Tagen das nächtliche Treiben schlicht verschlafe.