Adama, what else!

Montag, 29. April 2019

Wenn man, wie ich jetzt gerade, nicht nur als Tourist sondern beruflich längere Zeit in einem Land verweilt, hat man den Vorteil, dass sich ein wirklicher Kontakt mit Einheimischen nicht nur vielleicht zufällig ergibt, sondern sich im Gegenteil nicht vermeiden lässt. Und das ist eine der schönsten Erfahrungen, die man machen kann, denn sie geben einem das Gefühl, tatsächlich angekommen zu sein.

Am vergangenen Wochenende hat mich Heiko zu seiner äthiopischen Familie nach Adama mitgenommen. Die orthodoxen Ostern sind hier das größte und wichtigste Familienfest und so trifft man sich bei den Eltern und feiert zumindest einen, besser aber zwei Tage. Der Beginn des Familienfests ist gleichzeitig das Ende der hier 55 Tage dauernden Fastenzeit und somit auch der erste Tag an dem nach langer Zeit Fleisch gegessen wird. Eine Ziege wird geschlachtet, ein Huhn wird geschlachtet, auf einem speziellen Herd werden Unmengen der berühmten, säuerlichen Fladen „Injera“ zubereitet, auf mehreren kleinen Kohlefeuern brutzelt etwas, eine spezielle Sauce für´s Huhn wird mit 8! gehäuften Suppenlöffeln Chili verfeinert und irgendwann geht´s los und es wird gegessen, gegessen, gegessen... und ja, getrunken, getrunken getrunken. Bier aus allen Landesteilen, Weißwein aus Äthiopien (gibt´s wirklich), hausgemachter Schnaps in Mengen, dann ein selbstgebrautes Bier aus der Nachbarschaft etc. Am 2. Tag des Familienfests muss ich, zumindest was den Alkohol betrifft, passen, beim Essen wird mir eine Pause nicht zugestanden.

Abschluss jedes Essens hier bildet die Coffee ceremony. Die Bohnen werden dazu selbstverständlich frisch geröstet, dann gemahlen und der Kaffee aufgekocht, während daneben etwas wie Weihrauch in einem extra Öfchen verbrannt wird. Der fertige Kaffee ist ähnlich stark wie ein Espresso und wirklich gut, nur leider geben sie auch Unmengen Zucker dazu und man muss sich schon sehr bemühen, den Kaffee ungesüßt zu bekommen. Mir ist dabei George Cloney eingefallen und auf seine Frage „Nespresso, what else?“ gibt es eine einfache Antwort. Und es ist nicht nur der Geschmack, es ist die Zeit, die sich die Äthiopier nehmen, um den Kaffee zu genießen, der ihn so gut macht. Da sind wir mit unseren App- gesteuerten Kaffeevollautomaten weit unterlegen.